Nepal Reiseführer
Nepal bildet eines der außerordentlichsten Länder der Welt: ein geographisches Wunder und eine ethnologische Komposition bestehend aus einer Überfülle an Bräuchen, Kulturen, Menschen, Sprachen und Landschaften. Das Terrain Nepals erstreckt sich mit einer Gesamtfläche von mehr als 147000 Quadratkilometern von Terai, einem flachen und fruchtbaren Landstrich entlang der südlichen Grenze des Landes bis hin zu den Gipfeln des Mount Everest, dem höchsten Punkt der Erde. Subtropische Dschungel, Rododentren Wälder, hochgelegene Wüstengegenden und schneebedeckte Bergkuppen bilden die vielfältigen Strukturgebilde des Inneren dieses Landes. Atemberaubend hohe Berge, darunter acht der zehn höchsten Berge der Erde, markieren die nördliche Grenze. Die antiken Traditionen verehrten das Himalaya-Gebirge als eine Manifestation der Götter: mit einem menschlichen Maßstab gemessen sind sie sowohl schön als auch gefährlich.
Umgeben von den Berggipfeln und dem Flachland liegt die mittlere Hügellandschaft, eine felsige Landschaft, die jahrhundertelang von mit nur dürftigem Werkzeug ausgestatteten Bauern bewirtschaftet wurde. Ein großer Teil der Bevölkerung – rund 80 % – lebt von landwirtschaftlichen Bedingungen: Nepal ist noch immer größtenteils ein Land der Dörfer und Agrarkulturen. Vor allen Dingen aber ist Nepal ein Land der Diversitäten: angefangen von den religiösen Strömungen – Hinduismus, Buddhismus, Schamanismus und viele weitere regionale religiöse Traditionen – über die Nationalfeiertage bis hin zu den Bewohnern des Landes. Über 50 verschiedene Sprachgruppen sind in Nepal zu verzeichnen und jede dieser Gruppen mit einer spezifisch ausgeprägten kulturellen Identität. Heute leben hier nahezu 30 Millionen Nepalesen verschiedener ethnischer Gruppen, Kasten und Stämme.
Zwischen den zwei Großmächten und bevölkerungsreichsten Staaten der Erde – Indien im Süden, Westen und Osten und China im Norden – gelegen, bietet Nepal einen ausgezeichneten Lebensraum für eine reich und komplex ausgeprägte Mischkultur. Der Hinduismus im Süden und der Buddhismus im Norden werden mit Tantrismus, anmistischen Riten und schamanistischen Praktiken kombiniert. Diese Strömungen synthetisieren sich in Kathmandu zu einer hochentwickelten Zivilisation der Newars, den indigenen Einwohnern des Tals.
Das 21. Jahrhundert bietet sowohl Verheißungen als auch Herausforderungen an. Jahrhunderte alte Strukturen sind im Begriff sich zu transformieren: mit dem Sieg der Maoisten im Jahr 2008 befindet sich die Rolle der Regierung und der herrschenden Klasse in einem tief greifenden Wandel. Die Gesellschaft von Kathmandu ist nunmehr dazu aufgefordert die modernen Einflüsse, wie motorisierte Beförderungsmittel, Popkultur und Massentourismus, anzunehmen und zu reintegrieren. Dennoch macht es die Unzugänglichkeit der rauen Gegenden Nepals, ganz unabhängig von den neueren Veränderungen in Kathmandu, wahrscheinlich, dass die Hügel und Täler, die zerstreut zwischen den geschützten Gipfeln des Himalaya liegen, die überwältigende Diversität und das Erbe Nepals langfristig fördern und hegen.
